Abschiedsgedanken
Nun nimmt er Abschied – der Pfarrverwalter Stefan Zekorn, der in unserer Pfarrei zusammen mit dem externen Moderator versucht hat, was er konnte. Diese Selbsteinschätzung lese ich im aktuellen Pfarrbrief und muss feststellen: wir hätten mehr gebraucht. Ihm hat jegliches Verständnis für die Menschen in St. Stephanus gefehlt. Nun möchte ich nicht naiv erscheinen, aber war es ihm wirklich nicht möglich, jedenfalls in seinen Abschiedsworten einen Schritt auf unsere Gemeinde zuzugehen? Offenbar nicht. Er findet wieder nur Worte für die anderen: für die Seelsorger, die etwas „persönlich aushalten“ mussten, für die Ehrenamtlichen aus dem ehemaligen Pfarreirat und den ehemaligen Gemeindeausschüssen, die „Anfeindungen ertragen“ mussten. Wer in den letzten Monaten seine öffentlichen Stellungnahmen gelesen hat, erkennt die erneuten Spitzen gegen die Gemeinde St. Stephanus.
Ich schreibe diese Worte, weil ich bei jedem Zusammentreffen mit Gemeindemitgliedern aus St. Stephanus erlebe, wie viel diese Menschen aushalten mussten und müssen. Jedes Gespräch kommt sofort und unweigerlich zu diesem Thema. Es schmerzt jedes Mal zu hören, wie sehr die Menschen unter der Situation leiden, wie ihnen die Ungerechtigkeiten weh tun, wie sie nicht hinter die Gründe für das Geschehene kommen. Auch nach fast einem Jahr verstehen sie die Welt und erst recht die Kirche nicht mehr. Sie verstehen nicht, warum von Seiten der Bistumsleitung alles dafür getan wird, eine lebendige Gemeinde Schritt für Schritt zu zerstören. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich Zuhause besucht habe, die mir ihr Herz ausgeschüttet haben. Stefan Zekorn lobt das Seelsorgeteam, aber wie oft ist in diesem Jahr einer der Seelsorger zu einem alten Menschen aus St. Stephanus nach Hause gekommen, um ihn oder sie zu betreuen, um ein offenes Ohr für die Nöte zu haben, um am Bett von Sterbenden zu sitzen, die sich in ihrem letzten Lebensjahr von der Kirche im Stich gelassen gefühlt haben? Wo war der Seelsorger Stefan Zekorn in dieser Zeit? Mit mir hat er nicht gesprochen, obwohl meine Not groß und meine Fragen unzählig waren.
Einen Brief habe ich in dieser Zeit von ihm bekommen. In ihm hat er mir untersagt, das Buch von Thomas Laufmöller in den Gebäuden der Pfarrei auszulegen oder zu verkaufen. Nun habe ich gerade den Namen „Thomas Laufmöller“ erwähnt. Das ist inzwischen fast ein No-go geworden, weil einem sofort Personenkult vorgeworfen wird. Ich mache es trotzdem, weil dieser Vorwurf absolut lächerlich ist und viel über diejenigen aussagt, die ihn aussprechen. Wie dankbar waren die Menschen, seine spirituellen Impulse lesen zu können, eine Erinnerung an die Jahre zusammen mit ihm in den Händen zu halten, eine seelsorgerische Hilfe in Monaten, wo kein Seelsorger vor Ort war, zu haben. Jeder Mensch, der die Liebe lebt und verkündet, müsste einsehen, dass es sich hierbei um etwas Gutes handelt. Nicht so Stefan Zekorn. Auch mein Hinweis, dass viele alte Menschen nicht mehr gut zu Fuß sind und froh wären, das Buch in der Kirche erwerben zu können, konnte ihn nicht überzeugen. So etwas spielt für ihn keine Rolle.
Zu einem wirklichen Gespräch zwischen uns ist es leider nicht gekommen. Ich war bereit; mehrere Menschen aus unserer Gemeinde waren bereit – mehr als bereit. Schließlich wurde uns von Bistumsseite über Monate immer wieder vorgeworfen, wir würden Menschen auf unserer Homepage verletzen und persönlich angreifen. Niemals wurde das konkretisiert. Gern hätten wir in einem Gespräch Näheres erfahren, aber das Gespräch wurde von „den Betroffenen“ abgesagt. Die Vorwürfe ließen trotzdem nicht nach. Ich muss sagen, dass mich das irgendwann einfach müde gemacht hat. Wenn man in der Öffentlichkeit immer wieder beschuldigt wird – ohne zu wissen, wer genau einen beschuldigt oder worin die Schuld konkret liegen soll –, dann hat man irgendwann keine Lust mehr auf das Bistum. Irgendwann nerven Stefan Zekorns öffentliche Briefe voller Diffamierungen nur noch.
Ich habe in diesem Jahr all jene Menschen bewundert, die ohne Unterstützung eines Seelsorgers versucht haben, unsere Gemeinde am Leben zu halten. Viele davon sind berufstätig und trotzdem haben sie sich in ihrer Freizeit bemüht, neue gottesdienstliche Ansätze zu finden, alte Traditionen wieder aufzunehmen, die Kinder zurück in die Kirche zu holen, die alten Menschen nicht zu vergessen. Was mir aufstößt, ist, dass in der Zeitung andere dafür die Lorbeeren bekommen. Was mir noch mehr aufstößt, ist, dass Stefan Zekorn unsere erzwungene Eigenständigkeit durch entmündigende und willkürliche Autoritätsbeschlüsse behindert hat, wo er nur konnte. Statt seiner danke ich darum Pfarrer Ludger Bornemann für seine Offenheit und die unzähligen Gottesdienste, die er in unserer Kirche übernommen hat. In so mancher Predigt klang sein Verständnis für unsere Probleme deutlich durch.
Mir selbst fällt es immer noch sehr schwer, den Kirchraum mit frohem Herzen zu betreten. Der Bistumsleitung und dem Pfarrverwalter ist offenbar bis heute nicht klar, was sie angerichtet haben. Wie soll ich mein Herz in einem Raum, in dem gegen die Liebe und gegen die Wahrheit verstoßen wurde, für die Liebe Gottes öffnen? Gelingt es nicht überall besser als dort? Wie soll ich unbeschwert in einem Gottesdienst sitzen, der von Stefan Zekorn gefeiert wird, nachdem er mich und die anderen Menschen in der Gemeinde so oft beschimpft und verleumdet hat? Wie sehr hätten wir Verständnis für unsere Probleme und wahren Austausch mit einem sensiblen Menschen gebraucht. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass Stefan Zekorn zusammen mit uns einen Weg in die Zukunft erarbeitet, der Konflikte löst, statt sie zu befeuern. Stattdessen hat er alles dafür getan, um die Gräben stetig tiefer zu machen. Wie gut hätte es getan, wenn irgendein Verantwortlicher aus der Bistumsleitung einen eigenen Fehler zugegeben hätte.
„In Christus verbunden“, schließt Stefan Zekorn seine Worte im Pfarrbrief. Kommt nur mir das schief vor? Gott ist die Wahrheit und die Liebe, seine Wahrheit ist Liebe. Daran möchte ich immer festhalten und nur auf diesem Fundament kann ich mich mit Christus und anderen Menschen verbinden.