Über Willkür und fallende Aktien

Ich durfte in einem sehr katholischen Elternhaus aufwachsen. Noch heute bin ich stolz darauf, dass die ersten beiden Eintragungen in meinem Gästebuch 1959 von Reinhold Friedrichs, dem späteren Domkapitular von Münster, und von Hermann Volk, dem späteren  Bischof und Kardinal von Mainz stammen. Beide waren Freunde meiner Eltern, Josef und Maria Schmelter. So war Reinhold Friedrichs über lange Jahre Wegbegleiter meiner Eltern; er war Taufpate und Täufer meines Bruders Reinhold, er traute mich und meine Ellen und taufte unsere erste Tochter Monica. Als nach seinem Tod 1964 dann in unserer Pfarre St. Stephanus eine Straße nach ihm benannt wurde, kam in der Familie große Freude auf. 

Warum berichte ich davon?  

Meine Generation Schmelter lebt nun schon seit über 30 Jahren in der Stephanus-Gemeinde. Aus den  Erinnerungen an meine Kindheit und über die lange Erfahrung meiner nun über 80 Lebensjahre weiß ich, wie wertvoll es ist, einen Seelsorger an seiner Seite zu haben, der einen kennt, dem man vertraut, bei dem man sich in der Ausübung seines Glaubens wohl fühlt und zu dem man in so langer Zeit so etwas wie eine persönliche (Glaubens-)Beziehung aufgebaut hat. Seit 17 Jahren wird diese Pfarrei in wunderbarer Weise von Thomas Laufmöller geführt. Und nun, ausgerechnet in der schlimmsten Zeit der Corona-Pandemie, wird er gegen den Willen seiner Gemeinde nach Wolbeck versetzt, wo dort doch ausreichend „kirchliches Bodenpersonal“ vorhanden ist.

Eine weitere unternehmerische Fehlentscheidung mit Langzeitwirkung.

Für die Abberufung von Thomas Laufmöller führt der Bischof von Münster organisatorische Gründe an und äußert in unfassbarer Beharrlichkeit, dass er an seiner Entscheidung auch nichts ändern werde. Wenn man sich überlegt, wie träge die Kirche mit der Aufarbeitung all ihrer Probleme umgeht, dann ist der vom Bischof willkürlich besiegelte Weggang von Pfarrer Laufmöller ein unglaubliches Desaster und ein riskantes Unterfangen: Vor 15 Jahren hatte das Bistum Münster noch gut 2 Millionen Katholiken. Ich weiß nicht genau, wie es heute aussieht, aber vermutlich steigt die Zahl der Austrittswilligen weiterhin rasant an. Als früherer Unternehmer weiß ich, was zu tun ist, wenn Umsatz und Rendite zurückgehen: Eine ehrliche Analyse der Fehler, die Bereitschaft aus eigenen Fehlern zu lernen, eine gute Krisenkommunikation und eine erhöhte Aufmerksamkeit für das, was  „am Markt“ gefragt ist. 

Am Ende geht es darum, keine neuen Schäden entstehen zu lassen. So kann ich nur müde lächeln, wenn ich lese, dass das Bistum Münster sich in Zukunft als modernes Unternehmen aufstellen will, als „kompetenter Dienstleister“ in administrativen und wirtschaftlichen Belangen.  Demnach müsste der Bischof an der Spitze seiner Firma in all seinem unternehmerischen Denken und Handeln stärker auf die Bedarfe und Wünsche seiner Aktionäre, hier Kirchensteuerzahler, eingehen. 

Bislang scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. 

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Gemeindemitglieder sprechen mit Prof. Dr. Thomas Sternberg (Präsident des ZdK)

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Wann hört dieser Unsinn auf? - Stimmen aus Roxel