Personelle Neuaufstellung – Wo ist das Konzept?
Während das Bistum Thomas Laufmöller in einer Hauruckaktion noch vor Ostern aus dem Pfarrhaus gejagt hat, treibt viele Gemeindemitglieder nach wie vor die eine Frage um, auf die sie bislang keine überzeugende Antwort gehört haben: WARUM?
Anders als Generalvikar Klaus Winterkamp, der in der Lokalzeit Münsterland am 19.3.2021 mantraartig wiederholt, dass es strukturelle und personelle Gründe gebe und nicht etwa in der Person von Thomas Laufmöller liegende Hintergründe den Ausschlag für die Entscheidung gegeben hätten, redet der zum Seelsorge-Team der Pfarrei zählende Diakon Klaus-Peter Richter Tacheles: Auf Facebook schreibt er unter dem Beitrag der Westfälischen Nachrichten (WN) am 14.3.2021 zum vorzeitigen Abschied von Pastor Laufmöller einen aufschlussreichen Kommentar, in dem er behauptet, Laufmöller seien die anderen drei Gemeinden der Pfarrei „so ziemlich egal“ gewesen. „Eine Zusammenführung der vier Kirchengemeinden zu einer großen christlichen Gemeinschaft war dadurch nicht möglich.“ Und er wird noch deutlicher: „Wenn man einen Stachel in der Hand hat der eine Entzündung hervorruft, so hat es keinen Zweck die Entzündung zu behandeln solange man den Stachel nicht entfernt hat. Thomas Laufmöller war nicht bereit sich in diese Kirchengemeinschaft einzubringen und nicht mehr der Stachel sein zu wollen. Somit bleibt dem Bischof nur noch die Maßnahme die er bestimmt schweren Herzens getroffen hat. Der Stachel muss weg.“
Im Gespräch am 18.1.2021 mit den Vertretern der Gemeinde, zu denen auch ich zählte, stellte der Bischof im Anschluss an unsere Ausführungen fest, dass er Stimmen gehört habe, auf die er achten müsse. Es sei „Sand im Getriebe“ gewesen. Gehörten diese Stimmen also Mitgliedern des Seelsorge-Teams und des Pfarreirats? Beide Gremien reagierten von Beginn an mit Unverständnis auf die Proteste der Gemeinde gegen Laufmöllers Abberufung. Haben sich Gremienvertreter vielleicht sogar aktiv gegen Pastor Laufmöller gestellt, was schließlich in einer Empfehlung der Personalkonferenz an den Bischof mündete, ihn zu versetzen? Und wenn ja, warum?
Er müsse „auf das Ganze schauen“, sagte Bischof Genn am 10.12.2020 im Interview mit den WN nebulös. Hat er damit die Pfarrei und die Fusion gemeint? Wir erinnern uns, was 2016 die Grundlage der Fusion war und laut Internetauftritt der Pfarrei bis heute Gültigkeit hat: „Die Fusion stellte somit vor allem einen Verwaltungsakt dar … Die fusionierte Pfarrei St. Liudger wurde als Gemeinschaft von Gemeinden angelegt ... So soll das Gemeindeleben vor Ort weiterhin stark bleiben.“
Diese Grundlage wurde im Laufe der Zeit offenbar einseitig verändert. Die Pfarrei, die ursprünglich dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtet war, bekam außerhalb der Gemeinde St. Stephanus einen immer größeren Stellenwert. Klaus Winterkamp erklärte in dem Gespräch am 18.1.2021, es gebe kein vom Bistum aus gestecktes Ziel, an dem sich ein Erfolg oder das Scheitern der Fusion messen lassen würde. Und Thomas Laufmöller wie auch die Gemeinde St. Stephanus haben sich entgegen der immer wieder geäußerten Vorwürfe in den letzten Jahren belegbar auf verschiedensten Ebenen in die Aktivitäten der Pfarrei eingebracht. Also wo genau liegt das Problem?
Das Problem ist nach Ansicht vieler Gemeindemitglieder das Ungleichgewicht in der geistlichen Ausrichtung. War der liberale Seelsorger Thomas Laufmöller den überwiegend der konservativen Gemeinschaft Emmanuel angehörenden Geistlichen ein Dorn im Auge? Wollten sie mehr eigenen Einfluss in St. Stephanus, und versuchten sie gleichzeitig, den Einfluss von Thomas Laufmöller auf seine Gemeinde zu beschneiden? Anders lassen sich die Forderung nach Rotation und das Verbot eines eigenen Einlegers im Pfarrbrief in St. Stephanus, mit dem sich Laufmöller mit geistlichen Gedanken allwöchentlich an seine Gemeinde wandte, kaum erklären.
Der Pfarreirat hatte sich im vergangenen September in einem Gespräch mit dem Personaldezernenten des Bistums Karl Render klar dafür ausgesprochen, dass die Seelsorge der Pfarrei auch nach dem Weggang von Dr. Timo Weissenberg zum Jahreswechsel 2020/2021 weiterhin in der Verantwortung der Gemeinschaft Emmanuel liegt („Kontinuität des Geistes“). Begründet wurde das mit dem Szenario, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, dass sich die Gemeinschaft Emmanuel ganz aus der Pfarrei zurückziehe, wenn es keinen Leitenden Pfarrer aus der Gemeinschaft mehr gebe. Kling das nicht nach Erpressung?
Er habe sich nun zu einer personellen Neuaufstellung entschieden, hatte der Bischof zusammen mit der Abberufung von Thomas Laufmöller bekannt gegeben. Tabula rasa könnte man meinen, doch das Bistum relativiert. Lediglich die drei hauptamtlichen Seelsorger würden ausgetauscht. Von einer aktiven Handlung des Bischofs in allen drei Fällen kann aber keine Rede sein: Dr. Timo Weissenberg verließ die Pfarrei auf eigenen Wunsch, um sich Projekten der Gemeinschaft Emmanuel widmen zu können. Und dass der Emmanuel-Geistliche Cyrus van Vught, der aus den Niederlanden für eine gewisse Zeit an unsere Pfarrei entliehen wurde, im Sommer von seinem Bischof zurückgerufen wird, war schon lange bekannt. Als aktive Handlung bleibt also nur die Abberufung von Thomas Laufmöller. Alle übrigen Seelsorger und Amtsträger bleiben offenbar, auch wenn sie wie im Falle eines Pastoralreferenten bereits seit 14 Jahren in einer Gemeinde der Pfarrei tätig sind. Für sie gilt das Argument, mit dem die Versetzung Laufmöllers auch gerechtfertigt wurde, dass es beiden Seiten gut täte, sich nach einigen Jahren noch einmal auf etwas Neues einzulassen, offenbar nicht.
Bzgl. der beiden in der Gemeinde verbleibenden Emmanuel-Priester Martin Sinnhuber (Subsidiar) und Cornelius Happel (mit halber Stelle) gibt es übrigens eine interessante Parallele: 2013 musste mit Hubertus Krampe ein beliebter Seelsorger gegen den Willen der Gemeinde und vor dem Hintergrund einer „personellen Neuaufstellung“ die Gemeinde Hl. Edith Stein verlassen. Bleiben durften hingegen Martin Sinnhuber und Cornelius Happel.
Auf ein Konzept für die personelle Neuaufstellung unserer Pfarrei wartet die Gemeinde St. Stephanus bislang vergebens. Bischof Genn hat zeitgleich mit der Abberufung von Thomas Laufmöller zugesagt, dass es keine Wiederbesetzung der Stelle des Leitenden Pfarrers mit einem Priester der Gemeinschaft Emmanuel geben wird. Vielleicht war ihm zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass es anderenfalls noch größere Proteste aus der Gemeinde St. Stephanus geben würde. Wie die Nachfolge von Thomas Laufmöller in der Gemeinde aussehen wird, ist völlig unklar. Die Emmanuel-Priester Martin Sinnhuber und Cyrus van Vught haben sich jedenfalls bereits für kommende Gottesdienste eingetragen ...