Einhaltung kirchlicher Regeln
Aufgrund der derzeitigen und wohl auch berechtigten Kritik an der katholischen AMTS-Kirche möchte ich ein Erlebnis, das mir auch nach fast fünfzig Jahren noch in lebhafter Erinnerung ist, zu Papier bringen. Um es vorweg zu sagen: Ich bin evangelisch, also Protestant.
Ich war damals Schriftführer im Vorstand eines DJK-Sportvereins. Bei meinem Eintritt war gerade die Satzung, wonach sich das Mitglied 'katholischer Lebensweise' zu befleißigen habe, was ich ja nicht hätte untenschreiben können, geändert worden in 'christlicher Lebensweise’.
Zu einer unserer Vorstandssitzungen, die in unserem Vereinslokal stattfanden, hatte sich ein für die Sport- und Jugendarbeit der DJK zuständiger Vertreter des Bischofs eingeladen.
Dieser erschien und sagte uns zunächst, dass er dem Domkapitel angehört. Dann referierte er nahezu eine Stunde darüber, dass die gesprochenen und geschriebenen Regeln der Kirche immer den Vorrang hätten und in jedem Falle einzuhalten und zu bewachen seien.
Seine Ausführungen gipfelten darin, dass jeder, der dies nicht beherzige, die Seligkeit nicht erlangen könne und somit selber schuld sei.
Kein Wort zur Aufgabe und zur Arbeit eines Sportverein, gerade für junge Menschen da zu sein und sie zu Fairness und Teamgeist anzuhalten und zu begleiten.
Dieser Vertreter der Kirche, persönlich ein etwas unangenehmer und abgehobener Mensch, verabschiedete sich mit dem Hinweis, dass er viel beschäftigt sei, und entwich, natürlich ohne seine Verzehrrechnung zu bezahlen. Wir waren einigemaßen konsteniert, hatten wohl auch andere oder zu hohe Erwartungen an einen solchen Besuch geknüpft.
Sicherlich ist dieses als ein Einzelfall zu sehen und keineswegs zu verallgemeinem. Allerdings darf man fragen, ob nicht doch die Kircheleitung, der Bischof, hinsichtlich der Personalauswahl und -besetzung mehr Augenmerk auf den Gläubigen und die Seelsorge haben sollte und nicht die Einhaltung von Kirchenregeln in den Vordergrund zu stellen.
Dies ist auch gerade hier im Stadtteil umso aktueller, als derzeit ohne Rücksicht auf die Gemeinde die offenbar willkürliche Versetzung des örtlichen Pfarrers verfügt wird, der erkennbar und glaubwürdig die Christlichkeit lebt und in außergewöhnlicher Weise hinter seiner Arbeit als Seelsorger steht.