Die Kraft des Anderen nutzen

Der Kampf von Teilen der Gemeinde St. Stephanus in Münster für den Verbleib von Pfarrer Thomas Laufmöller verdient Respekt und Bewunderung. Ich kenne das aus Emsdetten, wo schon 2011 gegen den Willen der Gläubigen zur damals größten Pfarrgemeinde im Bistum Münster fusioniert werden sollte. Bis heute sind viele Gemeindemitglieder im Herzen nicht mit der längst vollzogenen Fusion einverstanden. Unterschiedliche Ziele, andersartige Betroffenheit sind in einem Veränderungsprozess nicht zu vermeiden.

Damals hat es seitens des Bistums natürlich Zielvorgaben gegeben; große Einschnitte wie z.B. die Schließung von Kirchengebäuden waren absehbar und wurden auch benannt. Das Bistum hat sich moderierend eingebracht. Die Gemeindepriester standen massiv unter Druck von vielen Seiten und haben das vielleicht nur durchgestanden, weil sie auch viel Solidarität für den anstehenden Prozess erfahren haben. Nicht zu Unrecht sorgte man sich darum, wie man Heimat in der Kirche aufrechterhalten bzw. neu schaffen könne. Die Zeit hat Wunden geheilt, aber nicht alle.

Kann das nicht in Münster auch so verlaufen, dass mit großer Offenheit die Hintergründe, Fakten, Absichten, Fehler, Verletzungen kommuniziert werden? Dazu braucht es neben einem wirklich guten Willen auch Zeit für eine Umsetzung. Bei mir schrillen die Alarmglocken, wenn sich in St. Stephanus eine größere Initiative „nichtmituns“ neben dem Pfarreirat bilden „muss“, weil sie ihr Anliegen nicht genügend von den offiziellen Strukturen vertreten sieht. Zum Glück gibt es weitere Gesprächstermine mit dem Bischof. Es wäre aber auf Dauer gefährlich, auf Zeit zu setzen, das Thema auszusitzen, nicht wirklich zum Gespräch bereit zu sein. Das setzt aber voraus, dass die bischöfliche Seite auch in der Sache auf die Initiative zugeht, im Ergebnis offen, dass sie Pfarrer Laufmöller erlaubt, sich auch inhaltlich einzubringen, bisherige Prozesse offen zu legen. Im Jahr 2021 ist es ein Hoffnungsschimmer, dass sich „Laien“ so für ihre Kirche einsetzen. Es wäre ein Fehler, sie auszubremsen.

Schon im Judosport gilt das Prinzip, die Kraft des Anderen zu nutzen, statt sich ihr entgegen zu stemmen.

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Abberufung von Pastor Laufmöller – 3 Monate später