Gedächtnisprotokoll 18.01.2021

Verfasst von Dr. David Hartmann, gelesen, korrigiert und ergänzt von Dorothee Brauner, Barbara Kneißler, Birte Koling, Franz-Josef Lütke Schelhowe und Martin Schulte.

Anwesend waren Bischof Dr. Felix Genn, Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp, Pfarrverwalter Dr. Siegfried Kleymann, sowie die Gemeindemitglieder aus St. Stephanus Dorothee Brauner, Barbara Kneißler, Birte Koling, Franz-Josef Lütke Schelhowe, Martin Schulte und Dr. David Hartmann.

Bischof Genn begrüßte alle Anwesenden persönlich und freundlich im Generalvikariat des Bistums Münster.

Herr Dr. Kleymann begrüßte ebenfalls die Anwesenden und erläuterte, dass er als Pfarrverwalter eine moderierende Rolle einnehme und auch im Gespräch die Rolle des Moderators übernehmen wolle. Er erläuterte, dass es sinnvoll sei, nun zunächst die Stimmen der Gemeinde St. Stephanus anzuhören. Auf Nachfrage sagten er und Dr. Winterkamp, dass für das gesamte Gespräch etwa 90 Minuten eingeräumt seien.

Es folgte eine Vorstellungsrunde, in der die Gemeindemitglieder auch ihren Bezug zu St. Stephanus und St. Liudger erläuterten und ihre Erfahrungen im Glauben teilten.

Martin Schulte leitete das Gespräch ein, indem er sagte, dass gern über 1200 Menschen gekommen wären, aber aufgrund der Pandemie nun mit 6 Vertretern gesprochen werden müsse und bedankte sich für die Einladung.

Anschließend umriss Herr Lütke Schelhowe die Historie der Pfarrei St. Stephanus, die in der Zeit des 2. Vaticanums im neuen Stadtteil Aaseestadt im Jahr 1965/66 gegründet wurde. Dabei betonte er, dass in öffentlichen Äußerungen von führenden Geistlichen und in Protokollen der Fusionsverhandlungen immer wieder betont worden sei, dass Pastor Laufmöller Seelsorger der Aaseegemeinde bliebe, solange er Seelsorger an der Friedensschule sei. Insofern bedeute die Versetzung von Pastor Laufmöller einen Bruch der Versprechungen gegenüber den Gläubigen der Stephanus-Gemeinde. Herr Lütke Schelhowe hätte sich eine Orientierung an einem Sinnspruch des heiligen Augustinus gewünscht: „In notwendigen Dingen: Einheit. In fraglichen Dingen: Freiheit. In allen Dingen aber die Liebe.“

Herr Schulte erläuterte daraufhin, weshalb in den letzten Jahren in der Großpfarrei St. Liudger ein fortgesetztes und nachweisliches Leitungsversagen sowohl auf Bistums- als auch auf Pfarreiebene vorliege und dass dabei mit der Gemeinde St. Stephanus ungerecht umgegangen worden sei. Insbesondere die anzustrebende „Vielfalt der Gemeinden“ sei wiederholt verletzt worden.

Danach sprach Frau Kneißler über konkrete Situationen, in denen die Anliegen der Gemeinde St. Stephanus von den Gremien der Großpfarrei, sowie auch von Vertretern des Bistums und schließlich auch von Bischof Genn persönlich überhört worden seien. Sie endete mit einem erschreckenden Bericht: die Polizei sei in einer brisanten Angelegenheit informiert worden, da Befürworter der Personalentscheidung des Bischofs kriminell gehandelt hätten.

Herr Dr. Hartmann erläuterte, weshalb mit dem Mitchristen Thomas Laufmöller in der Vergangenheit und auch aktuell ungerecht umgegangen worden sei. Er betonte, dass dieser sich nicht nur an alle Vorgaben der Fusion gehalten, sondern diese sogar als Zeichen guten Willens übererfüllt habe. Die Rolle der Gemeinschaft Emmanuel, der die übrigen Priester der Großpfarrei angehören, und deren Verhalten der letzten Jahre gegenüber Thomas Laufmöller beleuchtete er ebenfalls ausführlich. Zum Schluss betonte er, dass christliche Nächstenliebe eine der wesentlichen Motivationen für die Solidarisierung mit Thomas Laufmöller sei.

Anschließend sprach Dorothee Brauner über ihr Verständnis von kompetenten Personalentscheidungen, zu dem es gehöre, alle Stimmen der Betroffenen anzuhören, ehe man die Entscheidung fälle. Gleichwohl sagte Sie, dass die Entscheidung eines Bischofs nun mal keine demokratische Entscheidung sei, dass diese aber Transparenz und eine zumindest in Ansätzen nachvollziehbare Begründung erfordere, wenn sie um Akzeptanz ringen wolle.

Während der etwa 40minütigen Ausführungen der Gemeindemitglieder hatten alle anderen Anwesenden aufmerksam zugehört und sich z. T. zahlreiche Notizen gemacht.

In der nun folgenden Diskussion machten die Gemeindemitglieder klar, dass alle von ihnen genannten Vorkommnisse durch schriftliche Belege, Tonmaterial, Photographien oder Zeugen belegt werden könnten.

Bischof Genn sagte, er habe nach diesen Vorträgen Informationen erhalten, die ihm so nicht bekannt gewesen seien. Auch von Versprechungen gegenüber Thomas Laufmöller oder gegenüber der Gemeinde St. Stephanus habe er, so wie diese jetzt von den Gemeindemitgliedern genannt worden seien, keine Kenntnis. Zur aktuellen Personalentscheidung gab er an, sich nicht immer um alle Details kümmern zu können, sondern sich ein Stück weit auf seine Personalkonferenz verlassen zu müssen, die die Versetzung empfohlen habe. Gleichzeitig gab er an, dass er auch andere Stimmen gehört habe, auf die er achten müsse. Da er diese Schilderungen der anderen Stimmen offensichtlich nicht hinterfragt hatte, entstand bei den Vertretern der Gemeinde der Eindruck, dass hier eine einseitige Beeinflussung geschehen war. Auf die Frage nach konkreten Gründen sagte er, dass mit der Neustrukturierung der Großpfarrei nun ein kompletter personeller Neuanfang gemacht werden müsse, da es oft schwierig sei, wenn langjährige Pfarrer mit neuen Pfarrern zusammenarbeiten müssten. Er sagte, dass es sich bei der Versetzung keinesfalls um eine Strafversetzung handele: dies weise er entschieden zurück und bat, dies auch zu berichten.

Nach insgesamt gut 2 h fasste Herr Dr. Kleymann das Gespräch so zusammen, dass Bischof Genn die Personalentscheidung nicht revidieren werde, dass er sich freue, in St. Stephanus eine derart lebendige und gut organisierte Gemeinde vorzufinden und dass weitere Gespräche nötig seien, an denen er und Herr Dr. Winterkamp gern teilnehmen werden. Die Gemeindemitglieder dankten dafür, dass nach zwei Monaten nun auch ihre Sicht angehört wurde und baten abschließend nochmals darum, dass auch kreative Lösungen in Betracht gezogen werden sollten und dass Bischof Genn das persönliche Gespräch mit Thomas Laufmöller erneut suchen möge.

Lokalzeit Münsterland Beitrag 19.01.21

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