Noch ein Leserbrief?
Noch ein Leserbrief? Für St. Stephanus kann man doch nichts mehr machen. Außerdem: Warum sollte ich mich da einmischen? Ich gehöre nicht zu dieser Gemeinde, bin vielleicht evangelisch oder Atheist. Also: Es geht mich nichts an. Aber vielleicht doch. Die Kirchen agieren im öffentlichen Raum und werden von Staat jährlich mit vielen Millionen unterstützt. Das hohe Gehalt von Bischof Genn wird von uns allen, ob Christ oder Atheist, aus allgemeinen Steuermitteln bezahlt (also nicht aus Kirchensteuermitteln!). Allein von daher muss man erwarten, dass auch Bischof Genn und seine Behörde die allgemein anerkannten Normen unserer offenen und demokratischen Gesellschaft achtet: Dass man vor Entscheidungen mit denen spricht, die unmittelbar davon betroffen sind, dass man sie an den Entscheidungen mitwirken lässt und ihre Argumente berücksichtigt und eventuell seine vorgefasste Meinung ändert. Bislang aber ist Bischof Genn sogar jeder persönlichen Begegnung mit der Gemeinde ausgewichen. Z.B. waren er selbst und auch Generalvikar Winterkamp schlichtweg nicht anwesend, als viele Gemeindemitglieder zum bischöflichen Palais zogen: Jung und Alt, Eltern mit ihren Kindern und Jugendliche. Man ließ sie einfach draußen stehen. So demütigte Bischof Genn diese Menschen und ließ sie ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit spüren. So geht man in unserer Gesellschaft nicht mit Menschen um, gerade auch nicht mit Kindern. Diese Menschen haben es verdient, dass wir Partei ergreifen und ihre Würde verteidigen.
Bischof hat sich nur in einem Brief an die Gemeinde gewandt. Auf drei langen Seiten verliert er sich in viele Worte, ähnlich wie auch im großen Interview in den WN, um letztlich auf die ganz konkreten Fragen eben keine konkreten Antworten zu geben, sondern im Allgemeinen stecken zu bleiben.
Ich bin realistisch: Der Bischof und seine Behörde werden sich auch kaum von meinem Leserbrief beeindrucken lassen. Er wird gerade jetzt die Sache durchziehen wollen, um sein Gesicht zu wahren, aber gerade dadurch sein Gesicht verlieren.
Bischof Genn und seine Behörde dürfen damit nicht durchkommen. Er hat Grenzen überschritten. Sein Verhalten, sein Machtmissbrauch in aller Öffentlichkeit ist keine Privatsache, sondern geht uns alle als Bürger an. Bischof Genn muss, wenn er sich schon innerkirchlich erfolgreich wegducken kann, sich öffentlich rechtfertigen und auf konkrete Fragen konkrete Antworten geben. In diesem Konflikt gibt es nämlich keine Gewinner. Durch sein monarchisch-autoritäres Verhalten schadet Bischof Genn letztlich sich selbst und erschwert den positiven Beitrag auch der anderen Kirchen für unsere Gesellschaft, der nach wie vor für uns alle bitter notwendig bleibt.
Raimund Heidrich
Kappenberger Damm 31
48151 Münster