Weiberaufstand
„Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ – der Untertitel des Buches „Weiberaufstand“ der Redakteurin Christiane Florin fällt mir als erstes auf, als ich mir einen Überblick über ihre Homepage verschaffe. Brauchen Frauen mehr Macht? Geht es in der Kirche um Macht? Geht es darum, dass die bisherigen Machthaber, die Männer, durch die neuen Machthaber, die Frauen, ersetzt werden sollen? Sollte man sich nicht vielmehr vom Konzept der Macht in der Kirche verabschieden, weil Macht immer etwas mit Hierarchie zu tun hat? Dass in dieser Kirche sehr viel schief läuft und Frauen natürlich benachteiligt werden, weil sie keine Priester werden dürfen, war mir schon immer klar. Aber Christiane Florin geht es um mehr – und um das deutlich zu machen, provoziert sie bewusst. Ihre Blogs sprühen nur so vor Ironie. Sie zitiert einen ermutigend gemeinten Ratschlag des Bischofs von Augsburg, den er bei der Priesterweihe an die frisch Geweihten weitergibt: „Habt keine Angst vor Frauen!“, und konstatiert daraufhin: „Weiber sind wild und gefährlich“. Als Peinlichkeitssammlerin findet sie im Frauenbild, das von katholischen Priestern vertreten wird, eine Unglaublichkeit nach der anderen. Allerdings spart sie auch nicht mit ihrer Kritik, wenn es darum geht, wie Frauen dieses Bild bedienen. „Kein noch so hoher akademischer Grad bewahrt vor der Selbstdegradierung zum fleißigen Lieschen“, stellt sie fest. Dann wird es aber doch ernst. Was bedeutet Gleichberechtigung nun tatsächlich: „Frauen müssen weder ihren Wert noch ihren Nutzen beweisen. Sie müssen weder stark sein noch die Kirche retten. Sie müssen nicht nett lächeln und auch nicht fleißig arbeiten. Es genügt, dass sie Mensch sind.“ Ja, denke ich, und als Mensch braucht keine Frau mehr Macht in der katholischen Kirche. Es reicht die Einsicht aller, dass sie selbstverständlich in allen Positionen der Kirche ihren Platz haben muss. Gern habe ich diesen Blog gelesen und freue mich auf all die anderen Blogs aus den letzten vier Jahren. Der neuste lautet: „Die Wahrheit ist ein Gummiband“. Das weiß keiner so gut wie jemand, der das letzte Jahr in St. Stephanus in Münster verbracht hat.